Was bleibt, wenn alles zerbricht?

Was bleibt dann noch, wenn alles zerbricht? Was ist dann noch wichtig?

Vor ein paar Tagen hatte ich ein Erlebnis in der Eisdiele, dass genau diese Frage in mir aufgeworfen hat.

Ich sitze mit meiner Tochter in der Eisdiele. Viele Menschen haben sich an diesem sonnigen Tag in dieses Cafe verirrt. Neben uns sitzt eine Frau. Sie trägt ein Kopftuch, ihr Gesicht ist grau, bleich. Man sieht ihr sofort an, dass sie gerade in einer Chemotherapie steckt.

Eine Frau kommt dazu. Überrascht begrüßen sich die beiden, sie scheinen sich zu kennen. Die Bekannte erzählt fröhlich von ihrem Tag und dass sie gerade aus dem Nagelstudio kommt, weil ihre Nägel "so schlimm" aussahen. Stolz hält sie ihre kirschroten Fingernägel in die Höhe. Die Frau mit dem Kopftuch reagiert verhalten.

Dann dieser Satz..: "Ich habe gar keine Nägel mehr. Die Chemotherapie verursacht, dass sämtliche Nägel, meine Haare und auch die Augenbrauen ausfallen." Die Bekannte reagiert unsensibel: "Na, ja, du hattest ja immer kurze Fingernägel!" Ungewollt werde ich Zeuge dieses unangenehmen Gespräches. Entrüstet nehme ich die nicht gerade einfühlsame Bemerkung der Bekannten wahr.

Und in mir macht sich die Frage breit: Was bleibt, wenn man alles verliert? Wenn es nicht mehr wichtig ist, wie ich mein Aussehen optimiere?

Was bleibt, wenn nichts mehr bleibt, wenn nur noch die pure Angst da ist, zu überleben?

Was bleibt dann noch?

Vieles scheint unwichtig, wenn ein geliebter Mensch schwer krank wird...vieles nicht mehr relevant, wenn wir in einer schwierigen Situtation stecken...

Was bleibt, wenn nichts mehr bleibt?

Was bleibt, ist die Sicherheit, dass Gott da ist, der hält und trägt!

Ein toller Satz, ja, aber stimmt diese Aussage wirklich, oder ist dies nur ein dahergesprochener Satz weltfremder und sich in anderen Sphären bewegender Christen?

Ich habe viele Menschen gesehen, die in genau dieser Hoffnung auf Gottes rettende Kraft schwierige Zeiten durchlebt haben! Eine schwere Krankheit, Arbeitslosigkeit, das Ende einer Beziehung, eine zerbrochene Freundschaft, der Tod eines geliebten Menschen, Zukunftsangst...alles das sind Situationen, in denen man verzweifeln könnte. Was ist dann noch wichtig?

Was wirklich bleibt und trägt, ist der Glaube an einen Gott, der hält, wenn alles zerbricht.

In vielen schweren Zeit habe ich es spürbar selbst erlebt, Gott trägt und hilft in einer besonderen Weise!

Vor vielen Jahre kämpfte ich ein halbes Jahr lang mit einer schweren schmerzhaften Erkrankung. Es war hart, sehr hart, aber ich habe gerade in dieser Zeit in einer besonderen Weise Gott erlebt. Gott hat mir nicht nur wunderbare Menschen in den Weg gestellt, die mich mit praktischer Hilfe unterstützten, sondern auch Freunde, die mir mit vertrauensvollem Gebet zur Seite standen und eine tolle Familie, die immer für mich da war.

Ich habe es auch spürbar erlebt, dass Gott in einer besonderen Weise trägt .Auch wenn einem vor lauter Verzweiflung die Kraft zum Beten fehlt: Gott lässt uns nicht fallen!

Was bleibt, wenn nichts mehr geht und nichts mehr bleibt?

Ein Gott, der nicht weit weg auf einer Wolke schwebt, sondern ein erfahrbarer Gott, der da ist! Das ist keine realitätsferne, blauäugige Aussage, sondern eine Tatsache, die man erleben kann!

Wenn alles zerbricht, ist Gott da, um aufzufangen, zu trösten und zu helfen!

 

 

 

 

 

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Kommentare: 2
  • #1

    Dohmi (Donnerstag, 06 Juni 2019 11:02)

    DAnke für diesen Impuls.
    Gut gesagt, und klug ist, diese Beziehung schon zu haben, denn dann gilt ja auch
    Psalm 23
    "und ob ich schon wandere im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück, denn Du bist bei mir."

  • #2

    Doris (Montag, 01 Juli 2019 23:44)

    Ja, Gott heißt nicht umsonst: "Der ICH bin da!". Manchmal durch einen anderen Menschen, durch ein Wort, ein Ereignis .....

    Aber wir müssen offen sein für IHN! Denn "Gott ist ein Gentleman", sagte mir eine ältere Dame, er kommt nur, wenn man ihn einlädt, aber er sehnt sich nach zu uns.